Auf der Jagd nach Dampf, Timing und Teriyaki-Magie
Es gibt diesen einen Moment bei jedem Dreh, wenn Logik, Geduld und Improvisation aufeinandertreffen. In unserem kleinen Studio roch dieser Moment nach Sake, Sojasauce, Mirin und karamellisiertem Zucker. Diese Episode wäre beinahe die, bei der wir kapituliert hätten – nicht wegen Technik oder Licht, sondern wegen Dampf. Nicht der aggressive, der sofort das Objektiv beschlägt. Nicht der schwache, der verschwindet, bevor man die Kamera überhaupt startet. Sondern der poetische Dampf. Der, der langsam tanzt, sich elegant einringelt, genau genug, um das Seitenlicht einzufangen – während der Glasurfilm auf dem Lachs genau den bernsteinfarbenen Glanz trägt, den wir seit Wochen im Kopf hatten. Wir testeten so viele Varianten, dass meine Frau irgendwann vorschlug, den Kanal in „Steam Motion Cooking“ umzubenennen. Am Ende brauchte es fünfzehn Versuche, eine leicht überfüllte Pfanne, eine präzise geneigte Kamera – und meine Frau, die hinter dem Motion Control Slider mit einem Stück Karton eine hauchdünne Brise erzeugte. So begann dieser perfekte Moment: mit Lachen, Zufall und einem Lachsfilet, das Licht trug wie ein Kostüm.
Das Making-of dieser Teriyaki-Salmon-Episode begann – wie immer – mit Recherche und Originalaufnahmen. Die Timeline verlangte nach der Seele des Gerichts: die Küsten Hokkaidos im Winterwind, die verschneite Skyline von Tokio, Makaken in heißen Thermalquellen und schließlich das organisierte Chaos der Fischmärkte – gefolgt von unserer Interpretation im Studio. Wir wollten, dass der Zuschauer sofort die Verbindung spürt: Lachs, Kultur, Klima und Handwerk. Keine generischen Stockbilder. Jeder Shot hatte Bedeutung. Unsere Drohnenclips aus einer anderen Produktion brachten Kälte, Gischt und Schnee. Im Studio lieferten wir Wärme, Bewegung und Geschmack.
Als wir die Bratsequenzen filmten, fühlte sich unser Studio plötzlich wie eine Küche im Fischmarkt zur Stoßzeit an – nur ohne Rufe und Händler. Zwei ungewöhnlich nah montierte Makroobjektive erzeugten so starke Verdichtung und Detailtiefe, dass die Lachshaut wie Landschaft aussah. Ab da begann die Timing-Challenge. Die perfekte Drehung der Filets? Mit einer Zange unmöglich – zu grob, zu technisch. Es brauchte Hände. Meine Frau presste mit den Fingern die Hautseite ganz kurz an – und drehte im exakt richtigen Moment, wenn die Glasur gerade begann, sich zu verdichten. Nicht zu früh, sonst wirkt die Karamellisierung flach. Nicht zu spät, sonst verbrennt der Zucker. Dieses Timing, kombiniert mit warmem LED-Licht und dem weichen Glanz von Butterschmalz, brachte einen Look hervor, den wir heute noch zu den appetitlichsten der ganzen Staffel zählen.
An diesem Tag lernten wir etwas Unerwartetes: Brokkoli kann die Szene stehlen. Der Blanchier-Shot war ursprünglich als Übergang gedacht. Doch als die kräftig grünen Röschen ins kochende Wasser tauchten, explodierten die Farben – wie Feuerwerk unter Wasser. In Zeitlupe hypnotisch. Und der Dampf dahinter – endlich so wie wir ihn wollten – verlieh dem Bild Atmosphäre. Wir sahen uns an, lachten, und stellten fest: Wir hatten dreißig Minuten mit Lichttests für ein Gemüse verbracht, das gar nicht die Hauptrolle spielte. Aber so sind wir: Wir jagen Schönheit, wo immer sie auftaucht.
Im Studio regiert Bewegung. Der Motion Control Slider lieferte die gleitende Kamerafahrt, als die Teriyaki-Sauce über den Lachs floss. Besonders wurde es erst durch das Timing mit dem Löffel. Wir probten es wie eine Tanzroutine: Löffel hoch, Sauce fließt, Glasur zieht an, Slider bewegt sich. Als der perfekte Take gelang, war es wie ein kleiner emotionaler Höhepunkt. Es roch großartig. Und das Kribbeln auf der Haut kam nicht vom Duft – sondern vom Wissen, dass wir genau das Bild eingefangen hatten, das wir seit Wochen im Kopf hatten.
Diese Episode wurde heimlich zu einem Experiment: Kann Sauce sich wie Glas verhalten? Nach dutzenden Glaspourings stellten wir fest – ja. Der Moment, in dem die Blasen langsamer wurden und die Glasur am Löffel kleben blieb, war magisch. In genau diesem Bruchteil konnten wir die Oberfläche mikropannen und Textur, Glanz und Tiefe sichtbar machen. Keine geliehene High-Speed-Kamera diesmal. Nur Licht, Geduld – und eine Menge Versuch und Irrtum.
Wir sagen oft: Slow Cooking hat wenig mit Zeit zu tun. Es hat mit Aufmerksamkeit zu tun.
Die finalen Beauty Shots brauchten totale Ruhe. Kein Wackeln, kein Zittern. Die Kombination aus Kran und Makrooptik zeigte winzige Parallaxen über große Geschmackslandschaften. Als der Lachs plötzlich die Reflexion unseres 4K-Monitors auffing, entstand ein glänzender Akzent. Wir entfernten ihn nicht. Wir behielten ihn – eine Reflexion unseres eigenen Films, sichtbar auf dem Essen.
Und genau das ist die Freude an diesem Prozess: Kreativität bedeutet nicht Kontrolle. Sie bedeutet die gezähmte Möglichkeit von Überraschungen. Wir kochen und filmen nicht nur – manchmal lassen wir Setup und Licht führen. Technik wird zum Pinsel. Licht wird zum Gewürz. Und Dampf – zum stillen Darsteller, den wir immer wieder neu besetzen.
Als wir abschlossen, saßen wir mit echten Tellern Teriyaki-Salmon im Studio – den gleichen wie vor der Kamera – und hielten fest: Unser Studio ist klein. Aber voller Möglichkeiten. Voller Rauch. Voller Gelächter. Und manchmal klebt Zucker an den Stativfüßen.
Am Ende ist die Geschichte einfach. Es brauchte Tage voller Tests, ein Studio voller milchigem Licht, eine widerspenstige Sauce – und zwei Perfektionisten, die jagten, bis Geschmack und Licht sich trafen.
So wurde Teriyaki zu Kino.
Und genau deshalb willst du beim nächsten Gericht wieder dabei sein.
Schau es dir hier (noch einmal) an - https://youtu.be/d0c0lsTJQ7w
